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Übersicht über die Inhaltsverzeichnisse der Jahrbücher der Dobrudschadeutschen von 1956 - 1977


: Lit. Dobrudscha

Die "Rückführung" der Volksdeutschen
1. Auflage November 2015, 2. Auflage Mai 2016
Artikelnummer: 1540
Autor: Fieß, Heinz

21.90 €

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Zwei der vielen Rückmeldungen zu diesem Buch vom Mai 2017:

Christian Michler aus der Enkel-Generation im Zusammenhang mit einer Anfrage in einer Mail im November 2016:
Und noch einmal vielen Dank für Ihr Buch. Es ist für einen Bessarabien-Nachfahre wie mich eine sehr wertvolle Arbeit. Ich wünschte, meine Generation würde viel mehr diesen Teil unserer deutschen Geschichte so klar vor Augen haben.

Gertrud Effinger:
Lieber Herr Fieß, mit großem Interesse habe ich Ihr Buch gelesen. Ich bin sehr beeindruckt, fühle mich aufgeklärt und auch aufgewühlt von unserem Schicksal. Viele Erinnerungen kommen  hoch. Nun liest es mein Mann (Schwabe), später meine Kinder. Viele Grüße von Gertrud Effinger.



Eine der Rezensionen zu diesem Buch

MANFRED BOLTE M.A.

Das im Selbstverlag erschienene Buch mit einem Umfang von 232 Seiten, 101 Abbildungen, davon 16 farbigen Bildern und 256 Fußnoten ist derzeit eine höchst bemerkenswerte bessarabische Fachliteratur-Neuerscheinung aus dem Jahr 2015. Heinz Fieß kann für sich in Anspruch nehmen, dass er neben den bisherigen bekannten bessarabischen Standardwerken ein weiteres hinzugefügt hat. Es ist ihm gelungen, eine Lücke zu schließen, die die unmittelbare Umsiedlungs- und Fluchtsituation der Bessarabiendeutschen nicht nur als wissenschaftlich geleiteten Diskurs in Form einer Dissertation (so z.B. Jachomowski) vorgelegt hat, sondern der zusätzliche besondere Wert dieses Buches liegt in der Verwendung der über 100 Bilder und farbigen Dokumenten, die ihrerseits ganz andere optische, gedankliche und assoziative Vorstellungen von Migrationsbeschreibung und Erfahrung für die Bessarabiendeutschen eröffnen. Wenn „Migration“ mit einer politisch motivierten Wanderbewegung übersetzt wird, der die Absicht innewohnt, sozioökonomische und machtpolitische Bedingungen durch aktive Handlungsweisen z.B. durch Ortswechsel zu verbessern, dann lässt sich diese anfängliche „Heim-ins-Reich“ Bewegung, die später in Flucht umgeschlagen ist, auch entsprechend fassen.

Der Autor hat bereits im Titel seines Buches Anführungsstriche verwendet für den Begriff „Rückführung“. Es gibt nicht viele Titel auf dem Buchmarkt, die Anführungszeichen (signum citationis) im Titel führen. Schon im Titel zeigt sich aber die Tragweite seines „dialektischen Diskurses“ bei der Beschreibung der bessarabischen Umsiedlung. Deutet man nun diese in Anführungszeichen gesetzte Metaphorik aus, dann zeigt sich einerseits der bereitwillige „instrumentalisierte Volksverwertungszusammenhang der Nazis“, der andererseits sehr stark im Widerspruch zu den gelebten und praktizierten nationalsozialistischen Glaubensbekenntnissen der bessarabischen Erneuerungsbewegung stand. Das Umsiedlungsprojekt „Heim ins Reich“ ist propagandistisch vorbereitet und entsprechend tief in die Seelen der Umsiedler verankert worden, immer im Kontext von „Pflicht“ und „Gehorsam“ oder „Frömmigkeit“ und „Tüchtigkeit“. Die Umsiedler glaubten an das „Gute“ der Nazis - ein tragisch historischer Irrtum. Der Beweis wird durch das sehr anschauliche und ergreifende Buch von Heinz Fieß geführt.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Teil 1 beschäftigt sich mit den Vorbereitungen zur Umsiedlung, die als „Rückführung" der Bessarabiendeutschen von langer Hand vorbereitet worden ist. Hierzu wird der Begriff „Volksgemeinschaft" mit dem Ziel der Gleichschaltung thematisiert und die nationalsozialistisch-ideologische Politisierung besonders der bessarabischen Jugend erwähnt. In diesem Kontext ist auch die Ankündigung der „Rückholung“ und die Formulierung „Heim ins Reich" entstanden. Der Autor beschreibt dann die bereits 1939 aufkommenden Auswanderungstendenzen und den zunehmenden Einfluss des Deutschen Reiches auf Rumänien. Der Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin mit dem geheimen Zusatzprotokoll bildet den politisch-geschichtlichen Hintergrund zur Umsiedlung und ist als chronologischer Ablauf im Buch dargestellt. Zum besseren Verständnis wird dann das Sowjetische Ultimatum an Rumänien und der Beginn der sowjetischen Besetzung Bessarabiens als Vorbereitung und Durchführung der Umsiedlung im Herbst 1940 dargestellt. Hierbei wird auf die SS-Rekrutierungen von jungen bessarabischen Männern schon in Bessarabien selbst hingewiesen. Die Darstellung der allgemeinen - und der Sondertransportorganisation enden im ersten Teil mit dem Kapitel, das als „Impressionen von der Fahrt auf der Donau“ überschrieben ist.

Der zweite Teil dann hat das Leben und Leiden in den verschiedenen Umsiedlungslagern zum Inhalt. Hier werden die Prozeduren der Durchschleusungen, die Selektionen und die Einbürgerungen der vormals „Rumänen aus Bessarabien“ als Reichsdeutsche beschrieben und durch die Dokumentenbebilderung sehr anschaulich dargestellt.

Im dritten Teil folgt die Ansiedlung der Bessarabiendeutschen in Polen. Dieser Teil bildet den Schwerpunkt des Buches, beginnend mit der Beschreibung der Situation der polnischen Bevölkerung und einer Darstellung, wie Polen durch den Nationalsozialismus vorsätzlich zerstört werden sollte. Hierbei werden die Einsatzgruppen und der Volksdeutsche Selbstschutz ebenso erwähnt wie der „Bromberger Blutsonntag". Die Einrichtung der Reichsgaue Danzig-Westpreußen sowie Wartheland (kurz Warthegau) und des Generalgouvernement sind ideologisch entgegengesetzte Verwertungsdistrikte, wobei das Wartheland als das „gelobte Land“ für die „Heimkehr ins Reich“ stehen sollte. Die Pläne für diese Ansiedlung basieren auf Himmlers Machtapparat und seiner völkischen Neuordnung des Generalplans Ost. Der scheinbare Planungsperfektionismus der Nazis zeigte sich in der Praxis durch einen chaotischen Dilettantismus, dem dann nur mit Macht und Willkür dieser nationalsozialistischen Schergen begegnet wurde. So kam es zur späten „Ansetzung" der Bessarabiendeutschen bei der Verteilung der Höfe nach dem Grundsatz der „Naturalrestitution", wie Heinz Fieß schreibt.

Die Ankunft und das Leben auf den Höfen ist dann aus der Perspektive der Ansiedler in Form von Zeitzeugenberichten und auch aus der Perspektive einer Polin beschrieben, wie sie ihre „Aussiedlung" erlebt hat. Mit diesen sehr ergreifenden An- und Aussiedlungsberichten endet auf S. 174 auch die thematische „Rückführungs“-beschreibung von Heinz Fieß. Die anschließende Flucht- und Neuansiedlung wird bei ihm in diesem Buch nicht thematisiert. Es folgen kleine Texte, wie: ein kurzer Streifzug durch die Geschichte Polens, Schritte zur Völkerverständigung und Versöhnung, der Kniefall des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, Berichte von Wladyslaw Bartoszewski, geb. 1922 in Warschau, Edwin Kelm - Brückenbauer für Versöhnung und eine Darstellung über den Alt-Bundespräsidenten Horst Köhler in seinem Geburtsort Skierbieszow. Diese Texte bilden den Rahmen für unterschiedliche Auseinandersetzungen mit der polnischen Ansiedlung der Bessarabiendeutschen. In dem umfangreichen Anhang sind dann noch wichtige Dokumente, Reden, Karten zu finden. Außerdem befindet sich im Anhang noch eine Aufstellung der „Zuordnung der Heimatorte in Bessarabien zu den Umsiedlungslagern der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi)“, die für eine heimatkundliche Forschung unverzichtbar ist.

In der Schlussbetrachtung schreibt Heinz Fieß, dass bei der Erlebnisgeneration die Traumata der Flucht oder Verschleppung sich tief in die Seelen eingegraben haben. Mit seinem wichtigen Buch ermöglicht er auch den Kindern und Enkeln der Erlebnisgeneration einen Einblick in eine Zeit, über die nicht unbedingt geredet wurde. Erst seit 2005, mit dem Begriff der transgenerativen Weitergabe von Traumata, auch durch die Bücher über „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“ u.a. von Sabine Bode oder Martin Miller, dem Sohn von Alice Miller, ist hier ein neues Bewusstsein gewachsen, sich mit Fragen der Um- und Ansiedlung der Eltern oder Großeltern zu befassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Heinz Fieß die gegenwärtige Flüchtlingssituation, bei der wieder Flüchtlinge als „ernsthafte Bedrohung“ erlebt werden (S. 182). Er schreibt: „Der Begriff „Völkerwanderung" ist heute im Hinblick auf die Flüchtlingsströme mit allen damit verbundenen Sorgen und Ängsten wieder hochaktuell geworden. Unübersehbar ist dabei einerseits, dass die bestehenden Ängste vor evtl. zu befürchtenden wirtschaftlichen Einbußen, vor allem aber vor einer von manchen befürchteten „Überfremdung" - nicht nur von offen auftretenden extremistischen Gruppen - als Bedrohung empfunden werden. Extreme Gruppierungen sehen sich ermuntert, dagegen Stimmung zu machen und mit großer Härte vorzugehen, und sie beeinflussen in einem keinesfalls zu unterschätzenden Maße andere Menschen mit. Andererseits lassen die von weiten Teilen der Bevölkerung gezeigte große humanitäre Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen sowie auch positiv gesehene Aspekte der Zuwanderung (etwa die immer wieder angesprochene Bereicherung des Arbeitsmarktes) für die Zukunft hoffen. (…) Man kann nur wünschen, dass Vernunft, Solidarität und Menschlichkeit siegen.“ In seinem Buch hat Heinz Fieß gezeigt, „wie Menschlichkeit unter der Wirkung von nationalsozialistischer Rassenideologie“ durch „unkritisch bereite, ideologiegläubige Pflichterfüller“ (ebd.) verkommen konnte. Dieses äußerst komplizierte Thema der Ansiedlungsgeschichte in Polen mit all seinen Tabus und Facetten nährt den Eindruck, dass die Bessarabiendeutschen wie auch die Mitglieder anderer Gruppen von Volksdeutschen zum Teil unwissend aber manche wohl auch wissend und proaktiv durch ihr Wirken im Geiste ihrer Erneuerungsbewegung und der Herrenmenschenideen dieses „Heim ins Reich“ und „Rückführungsereignis“ haben selbst mit zu verwirklichen geholfen.

Am Schluss des Buches hat der Autor noch einen Rat und eine Hoffnung formuliert: „Wir müssen uns davor hüten, in rassistische, menschenverachtende Denkweisen zurückzufallen. Dazu ist es notwendig, auch Dinge anzusprechen, die nicht von allen gern gehört werden. (…) Alle Menschen, so zitiert der Autor den von brutalen Erfahrungen betroffenen ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, haben einen anständigen Kern. Der Glaube daran kann uns helfen, sorgfältiger und kritischer im Umgang mit Vorurteilen zu sein.“

Ich danke Heinz Fieß für dieses anregende und wichtige Buch.

Januar 2016, Manfred Bolte M.A.


Heinz Fieß, Die „Rückführung“ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen, Umsiedlung 1940, Aufenthalt in den Lagern und Ansiedlung in Polen, 232 Seiten. Zweite Auflage 2016, mit Vorwort von Bundespräsident a.D. Horst Köhler.
ISBN 978-3-00-050915-5

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