Der Titel kommt woher?
Bessarabien-Logo
Bessarabien­deutscher
Verein e.V.
Dobrudscha-Logo

Akkerman – Buch des Gedenkens – Jiskor-Book

Uwe Quellmann · 12. Mai 2022
Das Redaktionskomitee
Das Redaktionskomitee

In den Mitteilungsblättern der letzten Monate wurden Texte vorgestellt über Heimatgemeinden in Bessarabien, in welchen ein jüdischer Bevölkerungsanteil existierte: Arzis, Sarata, Schabo, Tarutino.

Die Verfasser dieser Erinnerungen waren auch Mitglieder der Redaktionsleitung des Gedenkbuchs (Jiskor-Books) über den Kreis Akkerman, aus welchem diese Texte übersetzt wurden: Samuel Gurfil (Arzis), Zwi Schächter (Sarata), Aharon Kaminker (Schabo) und Schmuel Brilliant (Tarutino).

Woldemar Mammel hat das Foto des Redaktionsrats aus der Internet-Fassung des Buchs aufbereitet. Was diese ehemaligen Bessaraber veranlasst hat, ein so umfangreiches Werk (über 500 Seiten) herauszugeben, haben sie in einem Vorwort formuliert.

Vorwort (1982):

(verfasst vom Redaktionsrat (den Herausgebern) des Werkes; übersetzt von Sara Mages, deutsch von Uwe Quellmann)

Viele Jahre sind vergangen seit der Zerstörung der jüdischen Gemeinschaft von Akkerman und der kleineren Gemeinden in den zum Kreis gehörenden Ortschaften. Viele der ehemaligen Bewohner dieser Gemeinschaften, welche jetzt in Israel leben, hatten das Bedürfnis, diese Gemeinschaften aufrechtzuerhalten, und aus dem Tal der Tränen die Erinnerung an Institutionen und Menschen zu erwecken, welche uns so lieb waren. Aus verschiedenen Gründen wurde das Erscheinen des Gedenkbuches immer wieder vertagt, und auch jetzt, mit der Herausgabe dieses Buches, sind wir nicht sicher, ob wir eine treue Darstellung der verlorenen Gemeinden wiedergeben.

Wir hatten keine Informationsquellen, wie Archive und historisches Dokumentationsmaterial, zur Verfügung. Mit der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung waren viele Quellen und Erinnerungen ebenfalls vernichtet und wir konnten nur noch darauf zurückgreifen, was übriggeblieben war: auf die Überlebenden; einer aus einem Städtchen und zwei von einer Familie; Briefe von weit her, Erinnerungen, etc.

Obwohl einige unter uns waren, welche angesichts all dessen nur die eine Möglichkeit sahen, nämlich, aufzugeben und das jüdische Akkerman, Tarutino, Arzis, Tatarbunar, Sarata, Bayramtscha, Schabo und all die anderen Ortschaften in den Tiefen des Vergessens untergehen zu lassen, muss darauf hingewiesen werden, dass viele andere die Vorstellung des Verlustes des Andenkens an unsere Eltern, Brüder und Schwestern und alle unsere Lieben nicht akzeptierten. Unserer Lieben, welche uns dieses Vermächtnis eingeimpft haben, dass wir in seinem Lichte weitergehen.

Sie wurden bestärkt von der Erkenntnis, dass dies die letzte Chance ist, zu retten, was noch zu retten ist, da von Jahr zu Jahr die Zahl derer schrumpft, die sich noch erinnern können, was dort war und die in der Lage sind, Worte und Splitter aneinanderzufügen zu einem Zeugnis für künftige Generationen.

Wenn es noch Themen geben sollte, welche in diesem Buch nicht erfasst sind, müssen sie zu den Bedingungen, welchen wir uns unterziehen, angefügt werden. Auch das Kapitel über die große Zerstörung, die jeder von uns in allen Einzelheiten wissen möchte, ist nicht gänzlich erforscht. Die Herausgeber dieser Sammlung sahen sich nicht autorisiert, über Details zu entscheiden, welche nicht ausreichend geklärt waren bezüglich der letzten Wege der Märtyrer.

Wir lassen verschiedene Zeugen (speziell Zeugen des Hörensagens) in ihren eigenen Worten erzählen oder schreiben. Zu beachten ist auch, dass nicht alle Berichte in diesem Buch in enger zeitlicher Nähe zu den Ereignissen aufgezeichnet wurden, als sie noch frisch im Gedächtnis waren. In vielen Fällen hat die Vergesslichkeit ihren Tribut gefordert, aber sollten nach der Veröffentlichung dieser Sammlung weitere Informationsquellen entdeckt werden, oder sollten Zeitgenossen Aufschluss geben können über neues Material, werden wir unser Bestes tun, diese Informationen dem Buch als Nachtrag beizufügen.

Viele Jahre sind vergangen, seit der Vorhang aufgetan war und die Schau des Entsetzens vor uns enthüllt wurde, aber sie ließen uns nicht vergessen, und sie schwächten nicht die unermessliche Trauer über die Gemeinschaft und über den Einzelnen. Insbesondere unseren Kummer, dass die meisten der Opfer des entsetzlichen Holocaust keinen Grabstein auf ihrem Grab haben. Deshalb haben wir am Schluss des Buches ihrem Gedenken einen Abschnitt gewidmet und ebenfalls dem Gedenken der Menschen aus Akkerman und den zugehörigen Ortschaften, welche in den Kriegen Israels gefallen oder in Israel entschlafen sind.

Alle Worte und näheren Angaben in die sem Abschnitt liegen in der Verantwortlichkeit der Ersteller des Gedenkens.

Wir möchten allen danken, die uns geholfen haben, viel oder wenig, sei es durch das Aufschreiben einer Bezeugung, durch Fotos, etc., oder durch finanzielle Hilfe. Mögen sie alle gesegnet sein!

Die Redaktionsleitung des Buches „Akkerman und die Ortschaften seines Distrikts“ Dezember 1982


aus: https://www.jewishgen.org/yizkor/

(übernommen für das Mitteilungsblatt Mai 2022)