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Mr. Rudolf SChnutzi Hornung hutzi (Putzi)

Pastor
* 31. Oktober 1896,
Gnadental
† 9. Juni 1977,
Mühlacker

Familie

Vater: Jakob Hornung, Bauer in Demir-Chadschai, Bessarabien; verst. vor 1945

Mutter: verst. vor 1945

Mr. Rudolf SChnutzi Hornung hutzi (Putzi)
Mr. Rudolf SChnutzi Hornung hutzi (Putzi)

Biografie

Rudolf Hornung kam am 31.10.1896 in Gnadental als siebtes von zehn Kindern zur Welt. Sein Vater Jakob Hornung war von Beruf Bauer. Nach der Volksschule in Gnadental besuchte Rudolf Hornung die Wernerschule in Sarata und das Knabengymnasium in Tarutino, unterbrochen vom Wehrdienst in der russischen Armee (1915–1918).

Im Sommer 1927 heiratete er Olga Wächter (*1908); aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Selma (*1928), Paul (*1929) und Armin (*1934).

Sein ein Jahr jüngerer Bruder Gottlieb war nach dem Studium in Tübingen als Dorfarzt in Lichtenthal tätig.

Am 18. Januar 1948 hatte Rudolf Hornung einen leichten Schlaganfall und am 23. Januar 1958 einen Herzinfarkt. Er verstarb im Alter von 80 Jahren am 9. Juni 1977 in Mühlacker und hinterließ seine Frau Olga, drei Kinder und fünf Enkel.

Berufliche Laufbahn

Rudolf Hornung studierte von 1921 bis 1926 in Tübingen, Marburg/Lahn und Wien Theologie. Sein Kandidatenjahr verbrachte er 1926/1927 bei Pastor Winger in Sarata, wo er gleichzeitig an der Wernerschule Religion unterrichtete. Nach seinem Zweiten Theologischen Examen erfolgte seine Ordination durch Oberpastor Haase im neu gegründeten Kirchspiel Eigenfeld, in dem er bis zur Umsiedlung am 16. Oktober 1940 tätig war.

Im Zuge der Umsiedlung gelangte Rudolf Hornung mit seiner Familie ins Lager Graslitz (Sudetengau), wo er vertretungsweise im Pfarramt Graslitz arbeitete, bis ihm im November 1941 die Predigt- und Religionsunterrichtserlaubnis entzogen wurden. Bis Februar 1943 leistete er als Soldat (Dolmetscher für Russisch) bei der Infanterie Militärdienst. Nach einer Verteidigung vor der Gestapo in Karlsbad erhielt er die Predigterlaubnis zurück und übernahm wieder die Vertretung im Pfarramt Graslitz. Ab November 1943 war er zunächst als Pfarrverweser, dann ab Mai 1944 bis zur Flucht am 21. Januar 1945 als Pfarrer in Krone an der Brahe (Danzig-Westpreußen) tätig.

Am 17. Februar 1945 erreichten Rudolf Hornung, seine Frau Olga, ihre drei Kinder und seine Schwiegermutter Maria Wächter (* 1888) das kleine Dorf Eilte bei Ahlden/Aller (Niedersachsen). Bereits am 28. Februar 1945 bittet er das Landeskirchenamt Hannover, ihn mit der kommissarischen Verwaltung der Pfarrstelle Ahlden zu betrauen. Im Pfarrhaus zu Ahlden war er zu diesem Zeitpunkt bereits eingezogen. Von Februar 1945 bis März 1946 arbeitete er von Ahlden aus als Pfarrverweser in Ahlden, Schwarmstedt und zuletzt in Gilten, jeweils bis zur Rückkehr des Stelleninhabers. Vergeblich versuchte er, über das Landeskirchenamt Hannover eine feste Pfarrstelle zu erhalten. Laut seinen Angaben am 18. Januar 1946 gehörte er der Bekennenden Kirche an.

Im April 1946 wurde Rudolf Hornung in den pfarramtlichen Vertretungsdienst der württembergischen Landeskirche aufgenommen. Seinen ersten Vertretungsdienst trat er in Langenau bei Ulm an. Zum 1. Oktober 1953 wurde ihm die Pfarrei Mühlhausen als feste Anstellung übertragen. Diese Pfarrstelle hatte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. März 1959 inne.

Seine Art, bei Predigten anhand eines Konzepts freizusprechen und auch auf aktuelle Sorgen und Ereignisse einzugehen, begeisterte seinen Neffen Wilhelm Hornung rückblickend auf einen Besuch Rudolf Hornungs in Lichtental/Bessarabien. Doch 1946 fand dies nicht bei allen Gottesdienstbesuchern großen Anklang; es wurde eine „strenge biblische und bekenntnismäßige Haltung“ vermisst. Im Bericht einer dekanatamtlichen Visitation wurde 1949 bestätigt, dass er „rednerisch begabt und gewandt“ sei, aber es wurde auch bezweifelt, „ob seine stark gefühlsmäßig (sentimental) akzentuierte Rede echte Verkündigung ist“.

Laut einem Aktenvermerk (Hann. Landeskirche) nach Gesprächen mit dem Ahldener Pastor vom 23.03.1946 verkehrte Pastor Rudolf Hornung „gerade in den Kreisen, die dem kirchlichen Leben fern ständen, z.B. im Hause der Frau Dr. Ohnesorg, deren Tochter mit einem Polen ein sehr übles und ortsbekanntes Verhältnis habe.“ (Dr. Ohnesorg wurde im April 1945, kurz vor dem Einmarsch der britischen Truppen, in seinem Haus von Nationalsozialisten erschlagen.)

Denkwürdigkeiten

Pastor Rudolf Hornung, Dr. med. Albert Necker und Alexander Unterseher hatten es sich 1945 in Ahlden zur Aufgabe gemacht, Bessarabiendeutsche über Ansiedlungsprojekte für Flüchtlinge zu informieren und sie beim Ausfüllen von Fragebögen zu unterstützen. Anfangs wirkten sie vom Büro im Ahldener Pfarramt aus. Hieraus entstand der Verein „Flüchtlingshilfsgemeinschaft der bessarabiendeutschen Umsiedler“, dessen Gründungsversammlung am 10. Dezember 1945 im Pastorat Ahlden stattfand. Der Vorstand des Vereins bestand aus Pastor Rudolf Hornung (Vorsitzender), Dr. Otto Broneske[1] (Stellvertretender Vorsitzender) und Alexander Unterseher (Schatzmeister). Wenige Monate später untersagte die Landesregierung die Vereinstätigkeit, da die britische Militärregierung die Gründung von Flüchtlingsvereinen verboten hatte.

[1] Dr. Otto Broneske erhielt am 12. Dezember 1945 vom Wohnungsamt die Zuzugsgenehmigung für Ahlden, weil sich Dipl.-Ing. Arthur Funke von seiner Anwesenheit in Ahlden Unterstützung für die Siedlungswerbung erhoffte.

Literatur

Abbildungen:

Abbildungen sind vorhanden in:

  • Baumann, Arnulf (2005): Bessarabische Pastoren in rumänischer Zeit. In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 108.
  • Baumann, Arnulf (2005): Bessarabische Pastoren in rumänischer Zeit. In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 111.
  • Hornung, Wilhelm (2004): Pastor Hornung predigt in Lichtental. In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 73.
  • diverse Fotos in der Datenbank des Bessarabiendeutschen Vereins

Literatur:

  • Baumann, Arnulf (2005): Bessarabische Pastoren in rumänischer Zeit. In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 108/109.
  • Baumgärtner, Richard (1976): Seltene Feiern. In: Mitteilungsblatt des Hilfskomitees der ev.-luth. Kirche und der Landsmannschaft der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, 21.10.1976.
  • Brelie, Heinrich von der (1998): Eilte – Die Chronik eines Allerdorfes. Walsrode.
  • Eckert, Horst (2016): „Für Volkstum und Glaube“ – Otto Broneske und die Bessarabiendeutschen im 20. Jahrhundert. Stuttgart, S. 294.
  • Hornung, Wilhelm (2004): Pastor Hornung predigt in Lichtental. In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 73-76.
  • Todesanzeige von Rudolf Hornung. In: Mitteilungsblatt des Hilfskomitees der ev.-luth. Kirche und der Landsmannschaft der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, 21.07.1977.
  • Ziebart, Erwin (2002): So fing es an … In: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Hannover, S. 222-225.

Ereignisse

31.10.1896
Geburt in Gnadental
1911 – 1915
Lehrerseminar in Sarata
1903 – 1915
Volksschule in Gnadental
14.08.1915 – 10.02.1918
Russischer Wehrdienst
1918 – 1921
Knabengymnasium in Tarutino
1921 – 1926
Theologiestudium in Tübingen, Marburg/Lahn, Wien
1926 – 1926
Erstes Theologisches Examen in Wien
1926 – 1927
Kandidatenjahr in Sarata bei P. Winger u. Religionslehrer an der Wernerschule
24.06.1927
Heirat mit Olga Wächter (* 1908); 3 Kinder: Selma (*02.04.1928), Paul (*26.12.1929) und Armin (*15.08.1934)
1927 – 1927
Zweites Theologisches Examen in Tarutino
14.08.1927
Ordination in das neu gegründete Kirchspiel Eigenfeld durch Oberp. Haase
Bis 16.10.1940
Pastor in Eigenfeld (Umsiedlung)
01.11.1940 – 23.11.1941
im Lager Graslitz (Sudetengau), vertretungsweise im Pfarramt Graslitz tätig, dann Entzug der Predigt- u. Religionsunterrichtserlaubnis
23.11.1941 – 20.02.1943
Wehrdienst, Soldat (Dolmetscher), Verteidigung vor der Gestapo Karlsbad, anschließend Rückgabe der Predigterlaubnis
01.03.1943 – 31.10.1943
Vertretung im Pfarramt Graslitz
01.11.1943 – 21.01.1945
zunächst Pfarrverweser, ab 01.05.1944 Pfarrer in Krone an der Brahe (Danzig-Westpr.)
21.01.1945 – 17.02.1945
Flucht bis Eilte bei Ahlden/Aller (Niedersachsen), nach wenigen Tagen Wohnsitz im Pfarrhaus in Ahlden/Aller
20.02.1945 – 31.03.1946
Pfarrverweser in Ahlden, Schwarmstedt und Gilten (jeweils Vertretung für ein paar Monate)
Ab April 1946
pfarramtlicher Vertretungsdienst bei der württembergischen Landeskirche (Langenau, Mühlhausen)
01.10.1953
feste Anstellung als Pfarrer in Mühlhausen