Lokalisierung
Negrowo-Enßlen
Einst herrschte ein frohes Leben auf dem Gut Enßlen-Negrowo zusammen mit dem erloschenen Gut Fuchs. Ein Teil der Kinder kam durch Verheiratung fort, und so erlosch langsam das fröhliche, familiäre Dasein als sei es nur eine Ouvertüre gewesen für das unabwendbare Schicksal, das die Deutschen von dem ihnen teuer gewordenen Boden fortführte. Im Tale Sarata, oberhalb von Friedenstal (?! Friedensfeld), wurde 1889 das Gut Enßlen-Negrowo gegründet. Das Restgut von 600 Deßjatinen mit dem Verwaltungssitz kauften die Brüder Gottfried und Jakob Enßlen aus Alt-Posttal von dem Besitzer Negri. Es wohnten aber schon früher deutsche Pächter hier, die auch unter den neuen Besitzern blieben. Die neuen Gutsherren haben mit deutscher Gründlichkeit gegen die Verwahrlosung mit Mißwirtschaft gekämpft, den Boden kultiviert und schöne Gutshäuser und Wirtschaftsgebäude errichtet. Sie haben auch die Viehwirtschaft in größerem Maßstab betrieben. Das Magervieh wurde billig aufgekauft und gemästet. Von hier ging es zu guten Preisen in die Großstädte. Später kam etwas Wein- und Obstbau und die Karakul-Schafzucht als landwirtschaftlicher Zweig hinzu. - Die Agrarreform hat dem Gut eine harten Schlag versetzt. Den Deutsch blieben nur noch 350 Hektar. Kirchlich gehörte der Weiler bis 1927 zu Sarata, danach zum Kirchspiel Eigenfeld. In der Gemeinde Friedensfeld hatten die Gutsbesitzer und ihre Anverwandten und Dienstleute ihre kirchliche und schulische Heimat. Die Umsiedlung 1940 brachte die sieben Familien mit siebenundzwanzig Personen in das Wartheland und nach dem Zusammenbruch 1945 nach Westdeutschland. Eine Familie wanderte nach Amerika aus.
(Quelle: Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Albert Kern, Seite 245)
Einwohner
Einwohner 1940: 25 Deutsche / 56 Andere