Heimatgemeinde
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Freudenfeld

Pshenychne
bei Faraonowka seit 1940

Heute Ukraine

Gründungsjahr

1879

Kreis

Akkerman
Freudenfeld
Freudenfeld

Lokalisierung

Odes´ka, Ukraine

Einwohner

Einwohner 1940: 10 Deutsche / Mehrh. Andere

Karte

Historie

Auch eine sogenannte "erloschene" oder untergegangene Gemeinde wie "Freudenfeld" soll in dem Heimatbuch erwähnt werden. Denn wenn wir uns in dem deutschen Siedlungsraum Südrußlands bis hin zum Kaukasus umsehen könnten, zu dem wir Bessarabiendeutsche bis zum Zusammenbruch auch zählten, dann sähen wir nicht nur eine untergegangene deutsche Gemeinde. Doch soll die Erinnerung festgehalten werden, wie die Sage von der "untergegangenen Stadt" im honen Norden heute noch besteht und weitererzählt wird.

Freudenfeld war ein Gut von 2000 Deßjatinen Land, das Herr Kipperwasser in den sechziger Jahren erworben hatte zu einem Spottpreis von 12 Rubel pro Deßjatine. So etwas konnte man, wenn man im richtigen Augenblick Bargeld bereit hatte. Das Bestreben des Besitzers ging nun dahin, deutsche Pächter zu finden, was ja bei der beginnenden, zum Teil schon bestehenden Enge in den Kronsgemeinden gar kein Problem war. Schwieriger war schon die Verpflichtung der Pächter, wonach einer für alle und alle für einen für die gesamte Pachtsumme aufkamen, bei Verlassen des Gutes die Gebäude unentschädigt bleiben mußten und in das Eigentum des Besitzer übergingen. Diese harten Bedingungen und die Unnachgiebigkeit des Gutsherren, auch in totalen Mißernten einen Nachlaß zu geben, waren die Ursache, daß von den zweiunddreißig deutschen Pächtern am Ende nur noch zwei Familien sitzenblieben. Die anderen suchten anderswo eine gesicherte Existenz. Es half nichts, daß Herr Kipperwasser den Pächtern, von denen jeder eine eigenes Haus hatte, sogar ein Bet- und Schulhaus baute und einen Glockenstuhl mit einer Glocke aufrichtete. Die Glocke mit ihrem Klang hielt die Pächter nicht mehr zurück. - Die Agrarreform 1920 enteignete die drei Erben des inzwischen verstorbenen Gutsherrn und ließ jedem 100 Hektar als Eigentum. Sie wohnten in Kischinew und kümmerten sich nicht um das Gut. die Deutschen waren weg. die Umsiedlung  1910 hatte wenig mehr zu tun. Die siebzig Seelen aus Freudenfeld waren bald weggeholt. Die Pächter stammten aus den Gemeinden Kulm, Alt-Arzis, Lichtental, Sarata, Paris, Teplitz, Alt-Posttal, Brienne, Beresina, Gnadental und Neu-Elft. Den meisten Humor hatte der Plattdeutsche Johann Waldbauer, der Windmühlenbesitzer in Freudenfeld. Er stürzte beim Schmieren der Achse, an welcher die Flügel befestigt waren, ab. Als man ihn nachher fragte, warum er sich nicht besser gehalten habe, antwortet er auf plattdeutsch: "Wäh off äm Wech es, mott ok fort!" (Wer auf dem weg ist, muß auch fort. Wiedergegeben nach K. Ziegler). Ja, auch die Freudentaler (?! Freudenfelder) waren schon lagne auf dem Wege, und 1940 mußten auch die letzten fort.

(Quelle: Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Albert Kern, Seite 245)