Landmenge (Hektar) – bei Gründung/bei Umsiedlung
72 ha
Bedeutung des Namens
Kleine Arbeiter- und Taglöhnersiedlung nahe beim gleichnamigen fremdvölkischen Marktflecken (5000 Einw.) gelegen, der sich um das Schloß eines türkischen ehemaligen Kriegsministers gebildet hatte. Chan, Han = „Fürst“ ist als Ausgang eines Namens zu denken (etwa „Fürstendorf“) (vgl. Kern S. 248).
(Quelle: Sonderdruck aus Jahrbuch für Ostdeutsche Volkskunde Band 10 1966/1967)
Einwohner
Volkszählung 1930: 188 Deutsche / 6.150 Andere
Einwohner 1940: 153 Deutsche / 5.000 Andere
Karte
"Da tauchten die Zinnen eines Schlosses vor Immanuels erstaunten Augen auf. Mitten auf einer waldigen Höhe war ein entzückendes Schloß mit Parks, Gärten, Wasserkunst gebaut, das sich von dem dunkeln Hintergrund des Waldes schneeig und wirkungsvoll abhob. `Hantscheschti`, antwortete Sinaide seinem fragenden Blicke. ´Es gehört einem unermeßlich reichen türkischen Fürsten, Gumen-Bey. Er ist ein Ehrenmann, aber menschenscheu. Sein Großvater war vor vielen Jahren türkischer Kriegsminister und entfloh mit der Kriegskasse hierher. Hier ist er auch begraben, aber ohne Kopf. Sein Kopf wurde von den Häschern nach der Türkei geliefert, nur über seine Schätze fanden sie keine Gewalt. Rings alles Land gehört dem jetzigen Fürsten, dem Enkel des alten Flüchtlings. Aber das Schloß hast du vielleicht schon gesehen?´ fragte Sinaide gespannt. ´Nicht zu glauben`, rief Immanuel Müller. ´Da ist Versailles mitten in der bessarabischen Steppe`. "Ja, wirklich ein "Versailles", aber der Marktflecken um dieses Märchenschloß, in welchem außer den Fremdstämmigen zusammengewürfelten Deutsche saßen, sah neben diesem Schloß aus "wie eine häßliche Warze im Antlitz" (H.Lhotzky).
Die eigentliche deutsche evangelische Kirchengemeinde Hantscheschti liegt in unmittelbarer Nähe des großen Marktfleckens. Sie wurde 1898 von einem kleinen Schub deutscher Familien gegründet. Pastor Heinrich Lhotzky sammelte diese mit den zerstreuten und schon früher hier "verschlagenen" Familien zu einer Kirchengemeinde. Er gliederte sie der Adjunktur Alt-Oneschti an, die zu Kischinew zählte. Außer einigen Handwerkern waren die meisten als Gelegenheitsarbeiter auf dem Gutshof von Hantscheschti oder im Baugewerbe in Kischinew tätig. Auch in der Industrie in Kischinew fanden Arbeiter eine auskömmliche Verdienstmöglichkeit. Den größten Anteil aber an dem reichen Besitz des Fürsten und seiner Abkömmlinge hatten die deutschen Pachtgemeinden, die in weitem Umkreis Ländereien aufkauften und wohlhabende Gemeinden gründeten. Die Gemeindeglieder der deutschen gemeinde Hantscheschti dagegen erhielten 1919/20 bei der Agrarreform je 6 Hektar, zusammen 72 Hektar, zugeteilt und bleiben arm. Ein Gemeindezentrum fehlte. - Die Gottesdienste wurden in Privathäusern gehalten. Die Kinder besuchten die russische und später die rumänische Staatsschule im Marktflecken.
Nach der Kartei festgestellte Verluste unter den Zivilpersonen (Stand vom 31. Dezember 1964)
Verschleppte 1; Auf der Flucht und in der Verschleppung Verstorbene 2
(Quelle: Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Albert Kern, Seite 248 und 249)