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Jakobstal

Jakobstal von 1940 bis 1995
Lazo/Laso seit 1995

Heute Moldawien

Gründungsjahr

1873
Jakobstal
Jakobstal

Lokalisierung

Moldova L509

Einwohner

Volkszählung 1930: 438 Deutsche / 470 Andere
Einwohner 1940: 498 Deutsche / 16 Andere

Karte

Historie

Im Jahre 1873 wurde in einer geringen Entfernung von der westlichen Seite des Flußtales Sarata die Pachtgemeinde Jakobstal gegründet. Es gab übergenug Land zu billigen Preisen zu pachten. So entschlossen sich die ersten Siedler aus den Muttergemeinden, hier eine Pachtsiedlung zu gründen, da zum Landkauf keine Kraft vorhanden war. Man könnte sich fragen, wie Deutsche die Geborgenheit in der Muttergemeinde verlassen konnten, um jahrelang verwildertes Ödland, nur mit Bocksbart und Unkraut bewachsen, in ein Ackerfeld umzuwandeln, das man, je nachdem, wer der Gutsherr war, dann verlassen mußte, wenn die Kulturarbeit getan war. 

Es gab genug Pachtgemeinden, die nie aus ärmlichen Verhältnissen herauskamen. Das Minorat aber, das bei unseren Vorfahren gesetzliche, von oben her eingeführte Bestimmung war und das Handwerk fördern sollte, hatte die Absicht der Regierung verfehlt. Der jüngste Sohn sollte die ganze Wirtschaft erben, die älteren aber ein Handwerk erlernen. Die Bauernsöhne hingen aber mehr and der Landwirtschaft und versuchten lieber, Land auswärts zu kaufen oder wenigstens zu pachten, wenn die Mittel zum Kauf fehlten. Wo der Minorat aber - und das war eigentlich in allen Muttergeimeinden der Fall - nicht streng gehandhabt und die Wirtschaften oft bis zur Hälfte, ein Viertel, ein Achtel oder ein Sechzehntel zerstückelt wurden, lohnte sich die Landwirtschaft nicht mehr, und viele suchten in Pachtgemeinden Ausdehnungs- und bessere Existenzmöglichkeiten. Aus diesen Gründen kamen aus mehreren Muttergemeinden Pächter nach Jakobstal. Nach einem krichlichen Bericht zählte die 1873 in Klöstitz eingepfarrte Gemeinde Jakobstal 1904 schon 400 Seelen und hatte ein Bethaus; in dem mit 94 Kinern Unterricht gehalten wurde: der Küster war zugleich Lehrer und hatte ein Jahresgehalt von 300 Rubel; das war ein für damals normales Gehalt.

Es ging den Jakobstalern ganz gut: sie waren fleißige und strebsame Pächter und nutzten die Pachtmöglichkeiten aus. - Aber auch die Kaufmöglichkeiten wurden ausgenutzt. Wenn es in dem erwähnten kirchlichen Bericht heißt: "Eingepfarrt wurden im Jahre 1873 das Pachtdorf Jakobstal", so ist das durch den Kauf von Land anders geworden. Jakobstal war bei der Umsiedlung 1940 Gemeinde auf Eigenland mit 1034 Hektar und 498 Seelen.

Ich erinnere mich einer Hochzeit in Kisil. Nach der Trauung gingen wir ins Hochzeitshaus, wo die Feier nach der Sitte der Deutschen Bessarabiens vor sich ging. Da kam eine kleine Gruppe der geladenen Jugend "Aus Jakobstal":  Sie fielen in der reichen Gemeinde Kisil in keiner Weise durch einfachere Kleidung und weniger gesellschaftlichen Schliff auf, wohl aber durch das Singen schöner Volksweisen. Ich möchte heute, im Zeitalter der modernen Tänze und Musik diese Gruppe nicht nur selber hören, sondern dem jetzigen Geschlecht vorführen!

Kirchlich gehörte die Gemeinde bis 1927 zu Klöstitz und danach als Nebengemeinde zu Eigenfeld.

Die Umsiedlung 1940 hat den Jakobstalern bedeutende Opfer an Blut und Leben gebracht, aber sein Durchkommen hat jeder im Mutterlande gefunden.

Nach der Kartei festgestellte Verluste unter den Zivilpersonen (Stand vom 31. Dezember 1964)

Verschleppte 11, auf der Flucht und in der Verschleppung Verstorbene -

(Quelle: Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Albert Kern, Seite 225 und 226)