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Plotzk

Plozk / Plotsk von 1940 bis heute

Gründungsjahr

1839

Siedlungsnummer

24

Kreis

Akkerman
Plotzk
Plotzk

Landmenge (Hektar) – bei Gründung/bei Umsiedlung

Insgesamt wurden für 39 Höfe 2.340 Desjatinen nutzbares Land (jeweils 60 Desjatinen pro Hof) sowie 24 Desjatinen unbrauchbares Land in den entlegensten Winkeln des Brienne-Gebiets zugeteilt.

Bedeutung des Namens

Der Name stammt höchstwahrscheinlich von dem Auswanderungsbezirk Plotzk in Polen. (Heimatbuch der Bessarabiendeutschen - Pastor Albert Kern)

Gründung und Besiedlung

Die Geschichte der Kolonie begann im Jahr 1836, als die erste Gruppe deutscher Auswanderer aus dem Königreich Preußen unter der Leitung von Andreas Blüm in Bessarabien eintraf. Ende des Jahres wandte sich Blüm an den Ausschuss für das Wohlergehen der Siedler mit der Bitte, seiner Familie – seinen Söhnen und Schwiegersöhnen – Land zuzuteilen. Dem Antrag wurde stattgegeben: Den Siedlern wurde ein Grundstück südlich der Kolonie Brienne zugewiesen. Insgesamt wurden für 39 Höfe 2.340 Desjatinen nutzbares Land (jeweils 60 Desjatinen pro Hof) sowie 24 Desjatinen unbrauchbares Land in den entlegensten Winkeln des Brienne-Gebiets zugeteilt.

Zunächst unterstanden die neuen Siedler der Gemeinde Brienne. Aufgrund der beträchtlichen Entfernung zu ihren eigenen Parzellen baten sie das Komitee jedoch später um die Erlaubnis, eine eigene Siedlung zu gründen. So erschien auf der Karte von Bessarabien die Kolonie Plotzk, die im Volksmund lange Zeit den inoffiziellen Namen Dragulia trug – zu Ehren des Tals, in dem sie lag. Erst in den Jahren 1839–1840 gelang es, die Kolonie vollständig zu besiedeln, als weitere 26 Bauern – Herkunft aus dem Königreich Polen und dem Königreich Württemberg – hierher kamen.

Wirtschaft und Landwirtschaft

Die Hauptbeschäftigung der Einheimischen blieb über viele Jahrzehnte hinweg die Landwirtschaft. Da jeder über ausreichend Land verfügte, entwickelte sich das Handwerk nur schwach und diente lediglich als Nebenerwerb.

Die amtliche Statistik von 1846 zeigt folgende Aufteilung der Acker- und Nutzflächen der Kolonie (insgesamt 2340 Desjatinen):

Weideland – 944 Desjatinen;

Heuwiesen – 692 Desjatinen;

Ackerland (Boden) – 662 Desjatinen;

Obstgärten – 42 Desjatinen.

Der wohlhabendste Landwirt seit der Gründung der Gemeinde war Gottfried Hopp (gestorben 1868). Das Ausmaß seines Betriebs lässt sich an dem Nachlass erkennen, den er hinterließ: 1.006 Desjatinen Land, 45 Pferde, 80 Stück Rinder, 1180 Schafe, 565 Lämmer, eine beträchtliche Anzahl an landwirtschaftlichen Geräten (9 Karren, 9 Schlitten, 7 Pflüge, 12 Eggen) sowie Getreidevorräte im Wert von 1162 Rubel (im Original: „Akri“).

Prüfungen: Missernten und Epidemien

Das Leben der Kolonisten war nicht einfach – die Gemeinde litt regelmäßig unter den Launen der Natur und unter Krankheiten. Tatsächlich gab es in Plotzk bis zum Jahr 1848 keine einzige wirklich zufriedenstellende Ernte. Am schwersten waren die Jahre 1867, 1892, 1899, 1918 und 1928. Darüber hinaus verursachten verheerende Heuschreckenplagen in den Jahren 1857 bis 1861 erhebliche Verluste für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Geistliches und kulturelles Leben

In kirchlich-administrativer Hinsicht gehörte Plotzk zur Pfarrei Alt-Elft.

1845 – Das erste Gebetshaus wurde errichtet, das gleichzeitig als Schulgebäude diente.

1886 – Aufgrund des Bevölkerungswachstums errichtete die Gemeinde ein neues, deutlich geräumigeres Gebetshaus. Achtung, in Kerns Buch wird ein anderes Baujahr angegeben! („Tradition im Wandel: Die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Bessarabien 1814–1940“ ist eine umfassende kirchengeschichtliche Studie der Historikerin Cornelia Schlarb (574))

1929 – Das Gebäude wurde grundlegend renoviert, um einen Turm erweitert und als Kirche geweiht.

Interessante Tatsache: Dieses Gebäude ist bis heute erhalten geblieben – seit 2026 befindet sich in der ehemaligen Kirche das örtliche Kulturhaus.

Handel und Alltag am Vorabend des Zweiten Weltkriegs

Im Jahr 1939 gab es im Dorf zwei Lebensmittelgeschäfte: eines gehörte einem Deutschen, das andere einem Juden. Außerdem kamen regelmäßig Wanderhändler (vorwiegend jüdischer Herkunft) nach Plotzk. Für größere Einkäufe und Industriewaren fuhren die Einheimischen gewöhnlich nach Arzis (Artsyz) oder in benachbarte größere Städte.

Die Einzigartigkeit der Kolonie

Vor Beginn der Zwangsumsiedlung der Deutschen im Jahr 1940 betrug die deutsche Bevölkerung von Plotzk lediglich 298 Personen. Diese geringe Einwohnerzahl ist ein einzigartiger und untypischer Fall für die bessarabischen deutschen Mutterkolonien (Urkolonien), die in der Regel deutlich größer waren.

Anmerkung: Der aus dem Dorf Plotzk stammende Gotthilf Deeg ist ein berühmter Baumeister der Kirchen in Bessarabien.

Gefallene und Vermisste:

Erster Weltkrieg: 7

Zweiter Weltkrieg: 30.

Verwendete Quellen:

1)Heimatbuch der Bessarabiendeutschen,Albert Kern,1976 (133-136)

2)Jahrbuch (Kalender) der Deutschen Bessarabiens von 1940 (97-108)

3) Plotzk in Bessarabien 1839-1940, Schock, Nelly.

4)Tradition im Wandel: Die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Bessarabien 1814-1940" ist eine umfassende kirchengeschichtliche Studie der Historikerin Cornelia Schlarb (574)

5)Denkmalprojekt.org

Lokalisierung

Südlich der Kolonie Brienne

Einwohner

Einwohner 1940 (1930?): 340 Deutsche / 61 Andere
Einwohner 1940: 298 Deutsche

Karte

Weitere Literatur

Quelle für diesen Eintrag: Nadiia Kochurova