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Tag der Begegnung 2013 Mecklenburg-Vorpommern

Klaus Nitschke · 09. Juni 2013
Besucher der Veranstaltung
Besucher der Veranstaltung

Der diesjährige Tag der Begegnung der Bessarabiendeutschen in Mecklenburg – Vorpommern fand unter dem Motto „Umsiedlung aus Bessarabien, das Lagerleben in Deutschland und die Ansiedlung im Osten „ statt.

Prof. Siegmund Ziebart hielt einen Vortrag zu diesen Themen untermauert durch eine PowerPoint-Präsentation.

Prof. Siegmund Ziebart

Prof. Siegmund Ziebart

Im ersten Teil seiner Präsentation ging es um die Umsiedlung aus Bessarabien. In der Darstellung befasste er sich nochmals mit der Geschichte Bessarabiens und deren deutschen Einwanderer und ging dabei auf Fragen ein, die den  Bessarabiendeutschen während ihres Aufenthaltes in den Umsiedlungslagern im Oktober 1940 gestellt wurden: „ Wo kommt ihr her, wie kamt ihr dahin und warum seid ihr dann da weg“. Prof. Ziebart stellte die politische Situation in den 30er Jahren in Europa dar und deren Auswirkungen auf Bessarabien.

In einem Vertrag zwischen der Sowjetunion unter Stalin und Hitlerdeutschland wurde die Annexion Bessarabiens durch die UdSSR vereinbart, ein Geheimprotokoll zwischen beiden Mächten beinhaltete, dass alle Deutschen, die das wünschen nach Deutschland ausreisen dürfen.

Für die Bessarabiendeutschen kamen nur 2 Möglichkeiten in Frage „ entweder Deutschland oder Sibirien“, da sie wussten was mit den Wolgadeutschen und anderen Russlanddeutschen unter dem stalinistischen Regim in der Sowjetunion geschah. Dem Aufruf zur Umsiedlung nach Deutschland folgten daraufhin alle Bessarbiendeutschen.

Prof. Ziebart schilderte in seiner weiteren Präsentation die Umsiedlungsmodalitäten durch Registrierung, Abschiednahme aus Bessarabien, Transport zu den Donauhäfen und Ankunft in den Zwischenlagern in Semlin und Prahovo in Jugoslawien.

Der Zeitzeuge Erwin Reinhardt aus Teplitz schilderte seine Erlebnisse mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder während der Umsiedlung, dem Lagerleben im Lager Hubertusburg in Wermsdorf/ Sachsen und der Ansiedlung in Westpreußen sehr anschaulich und emotional. Norbert Baier aus Arzis, ebenfalls Zeitzeuge, gab einen sehr ausführlichen Bericht über das Lagerleben in Zwickau / Sachsen, wie er es als Kind erlebte.

Der zweite Teil des Vortrages schilderte das Lagerleben in Deutschland. Für die Bessarabiendeutschen eine völlig andere Situation, die ihr bisheriges Leben völlig auf den Kopf stellte. Unterkunft in Sälen mit vielen Leuten, wo es keine Intimsphäre mehr gab, keine Arbeit und ungewohnte Verpflegung, der lange Aufenthalt in den Lagern mit einer ungewissen Zukunft, die Einbürgerung durch medizinische, rassische und politische Durchleuchtung.

Nach dem die Bessarabiendeutschen eingebürgert wurden, gab es neue Hoffnung. Sie waren nun keine Volksdeutschen mehr, sondern Staatsbürger des Großdeutschen Reiches, und damit war ihnen die Möglichkeit gegeben, zu siedeln. Unter der Überschrift „Hurra, wir werden angesiedelt“ schilderte Prof. Ziebart den letzten Teil seines Vortrages, die Ansiedlung. In seinen Ausführungen ging er auf die Ansiedlung in Westpreußen und dem Warthegau ein, unter welchen Umständen sie auf den vorher enteigneten polnischen Höfen angesiedelt wurden, was geschehen wäre, wenn sie sich geweigert hätten, die enteigneten Höfe zu übernehmen und wie sie die Höfe bewirtschafteten. Der Vortrag endete mit der Flucht und Vertreibung nach dem innerhalb weniger Wochen die große sowjetische Offensive im Januar 1945 den Warthegau und Westpreußen erreichte.

Nostalgischer Chor russischer Aussiedler

Nostalgischer Chor russischer Aussiedler

Umrahmt wurde der Tag der Begegnung durch ein kleines Rahmenprogramm, welches durch einen Nostalgischen Chor von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion gestaltet wurde. Sie sangen in ihren jeweiligen Trachten russische Volksweisen, ukrainische Lieder und deutsche Volkslieder.

Predigerin Frau Gertrud Kurrle hielt die Andacht zum Tage, ein Posaunenchor begrüßte die Gäste zu Beginn des Begegnungstages und Frau Neumann unterstütze durch die Begleitung auf ihrem Keybord das schon traditionelle Singen aller Teilnehmer während der Veranstaltung. Im Saal befand sich wieder ein Büchertisch zum Kauf bessarabischer Literatur.

Eine kleine Ausstellung von Gegenständen, welche die Einwanderer nach Bessarabien mitnahmen, wurde gezeigt und Emil Bäsler stellte Bilder von ehemaligen Umsiedlungslagern in Deutschland aus.

Ein besonderer Dank geht an unsere Vorsitzende Ingrid Versümer für die hervorragende Organisation des Tages der Begegnung im Müritzhotel Klink.