Unsere Museumspartner in Bessarabien und der Dobrudscha
Bessarabiendeutscher Verein e.V.
Das diesjährige Bundestreffen im Juni war wieder eine willkommene Gelegenheit, mit den angereisten Gästen aus Bessarabien und der Dobrudscha ins Gespräch zu kommen und die gemeinsamen Pläne weiterzuentwickeln.
Am Vortag trafen wir uns mit den Dobrudschanern, die schon im letzten Jahr anlässlich des Dobrudscha-Seminars zu einem mehrtägigen Arbeitsbesuch in unserem Haus waren (siehe MB 05-2025 S. 5). Prof. Dr. Maria Muscan von der Ovidius-Universität in Konstanza konnte berichten, dass im Rahmen ihres Forschungs- und Dokumentationszentrums „Deutsch in der Dobrudscha“ auch ein Praktikum im Haus der Bessarabiendeutschen in Stuttgart angeboten werden soll. Wir können uns also auf Studenten aus Konstanza freuen, die bald in unserem Museum und Archiv mitarbeiten werden. Andreea Wisosenschi von der Gemeinschaft der Aromunen in Karamurat ist aktuell mit Archivstudien zu bedeutenden Persönlichkeiten unter den Dobrudschadeutschen befasst und hat auch schon für das Jahrbuch 2027 einen Beitrag geliefert. Neu in unserer Runde war Richard Wagner vom Deutschen Forum in Tulcea. Er brachte sein Anliegen mit, eine deutsche Abteilung im Ethnologischen Museum in Tulcea einzurichten, und bat um die Spende von Exponaten aus unserem Magazin. U.a. geht es ihm um Trachten; sehr plastisch erzählte er von den Jugendlichen mit deutschen Wurzeln, die gerne Volkstänze üben wollen und in Ermangelung eines deutschen Angebots in der Region schon zu den Griechen gehen.
Als Nachlese zum Bundestreffen gab es am folgenden Tag eine Arbeitssitzung mit unserer Kulturreferentin Dr. Heinke Fabritius und den Gästen aus Bessarabien. Alle waren mit einem Informationsstand beim Bundestreffen präsent gewesen und berichteten von den anregenden Gesprächen mit den Gästen, aber auch von der vertieften Zusammenarbeit untereinander, die sich in letzter Zeit zu aller Zufriedenheit eingestellt hat.
Besonders inspirierend war eine kürzlich von Serghei Cernețchi im Historischen Museum in Jekaterinowka, Republik Moldau, ausgerichtete Fachkonferenz von Verantwortlichen aus ehemals deutschen Dörfern der Republik Moldau und dem ukrainischen Budschak unter dem Titel „Bessarabien ohne Grenzen“ (siehe MB 07-2026, S. 12-17). Nadiia Kochurova berichtete von Mitmachprojekten in ihrem Museum für Geschichte und Heimatkunde in Arzis. Als Gastgeschenk brachte sie Spezialitäten der Region mit, und auch ein Ticket für eine Erlebnisreise „Auf den Spuren der bessarabischen Kolonisten“, die entsprechend der multiethnischen Ausrichtung ihres Museums mit Sehenswürdigkeiten nicht nur deutscher Provenienz aufwartet. Liubov Klym berichtete über die Pläne zur Erweiterung der deutschen Abteilung in ihrem Historischen und Heimatkundlichen Museum in Sarata, die schon länger in Anbahnung sind, aber von dem zerstörerischen russischen Angriffskrieg vorerst gestoppt wurden. Als Gastgeschenk brachte sie eine KI-Präsentation zum 80-jährigen Jubiläum des Bessarabiendeutschen Vereins mit (siehe Titelbild).
Alle bessarabischen Museumsvertreter äußerten ihren dringlichen Wunsch nach Unterstützung aus dem Heimatmuseum der Bessarabien- und Dobrudschadeutschen in Stuttgart, vor allem durch Exponate, Dokumente und Bildmaterial. Als erstes Entgegenkommen wurde ihnen je eine Placht und ein Spruchtuch aus dem Stuttgarter Fundus als Gastgeschenk überreicht.
Unter Anleitung unserer Kulturreferentin berieten wir eingehend über weitere langfristige Unterstützungsmöglichkeiten für die Regionalmuseen in Bessarabien. Gute Resonanz erhielten wir auf das Angebot, aus unserer Wanderausstellung „Fromme und tüchtige Leute“ angepasste Auszüge zum Verbleib in den einzelnen Häusern anzufertigen – eine der vielfältigen Projektideen, die bis zur Umsetzung noch etwas reifen müssen. Eine Frage war auch, wie unser „Bauernmuseum Edwin Kelm“ in Friedenstal, das im Besitz des Bessarabiendeutschen Vereins steht, in das Netzwerk der bessarabischen Regionalmuseen eingebunden werden kann. Auch hier stehen die Sondierungen noch am Anfang.
Insgesamt war unser Eindruck, dass wir mit unserem Wunsch, eine nachhaltige Repräsentanz der deutschen Kultur und Geschichte in Bessarabien unter Einbeziehung der regionalen Initiativen zu schaffen, auf einem guten Weg sind.