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Erinnern – Erleben – Gestalten

Auftakt zum 47. Bundestreffen
Auftakt zum 47. Bundestreffen
Brigitte Bornemann erklärt die Orangenmarmelade als Gastgeschenk für alle Redner

Brigitte Bornemann erklärt die Orangenmarmelade als Gastgeschenk für alle Redner

Zu unserem 80-jährigen Jubiläum wagten wir unter dem Motto „Erinnern – Erleben – Gestalten“ beim diesjährigen Bundestreffen einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Bessarabiendeutschen Vereins.

Leider lag der Termin ungünstig am Ende der Pfingstferien und neben einigen gleichzeitigen Veranstaltungen, was eine Vielzahl bedauernder Absagen zur Folge hatte. Doch immerhin war das Wetter uns hold, und als der Bläserchor um 9:50 Uhr den festlichen Teil des Bundestreffens einläutete, nahmen etwa 200 Gäste ihre Plätze ein und wurden herzlich von unserer Bundesvorsitzenden Brigitte Bornemann begrüßt: „Wir freuen uns über die, die hier sind, denn die wollen wirklich bei uns sein.“ Sie stellte die Ehrengäste aus den Verbänden und der Politik vor und hieß eine kleine Delegation aus Bessarabien und der Dobrudscha willkommen. Besonders begrüßte sie die Letzten der Erlebnisgeneration, allen voran Leonide Baum, die als aktive Sportlerin in ihrem hohen Alter ein gutes Beispiel gibt. Dann bot sie einige „Gedankensplitter“, wie sie es nannte, zur Geschichte unseres Vereins.

Daran anknüpfen konnte Pfarrerin Andrea Aippersbach mit ihrer Andacht zur Jahreslosung von 1930 „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Römer 1,16), in der sie zunächst einen sehr interessanten Einblick in die Auswahl der Jahreslosungen in einem Gremium gewährte, dem auch der Bessarabiendeutsche Verein angehört. Die ganze Ansprache können Sie in unserem nächsten Jahrbuch, dem Heimatkalender 2027, nachlesen.

Eine ganz besondere Stimmung kommt immer auf, wenn wir in der großen Gruppe, begleitet vom Bläserchor, singen. Während der Andacht sangen wir „Lobe den Herren“, „Großer Gott, wir loben dich“ und „Komm, Herr, segne uns“, und noch einmal zum Abschluss des Festaktes das „Deutschlandlied“, die „Europahymne“ und das „Heimatlied der Bessarabiendeutschen“.

Bitte Javascript aktivieren!"> Die Geschichte der Bitter-Orangen-Marmelade: Der Kaufmann Keiller aus Dundee, Schottland, hatte 1797 eine Warenladung Orangen aus Spanien günstig erworben, die sich als ungenießbar und deshalb für den Verkauf ungeeignet erwies. Um sie nicht vernichten zu müssen, bemühte sich seine Frau, daraus eine Marmelade herzustellen. Sie schälte die Früchte, schnitt sie in kleine Stücke und kochte sie stundenlang mit viel Zucker, um die Bitterstoffe zu mildern. Die Marmelade fand reißenden Absatz. Wenige Jahre später stellte die Familie Keiller die Marmelade industriell her und vertrieb sie nach England, und im frühen 20. Jahrhundert kam sie auch nach Deutschland.  Das Rezept der Bitter-Orangen-Marmelade brachte meine Schwester Ida Anfang der 1960er Jahre in unsere Familie. Seit dieser Zeit wird die Bitter-Orangen-Marmelade bei uns gekocht. Die Herstellung in mehreren Arbeitsgängen ist zeitaufwändig. Auf Anfrage gebe ich gerne eine detaillierte Beschreibung und auch eine Bezugsquelle auf Mallorca für die Orangen.  Erika Wiener, Hannover, E-Mail: <span id=Bitte Javascript aktivieren!">

Die Geschichte der Bitter-Orangen-Marmelade: Der Kaufmann Keiller aus Dundee, Schottland, hatte 1797 eine Warenladung Orangen aus Spanien günstig erworben, die sich als ungenießbar und deshalb für den Verkauf ungeeignet erwies. Um sie nicht vernichten zu müssen, bemühte sich seine Frau, daraus eine Marmelade herzustellen. Sie schälte die Früchte, schnitt sie in kleine Stücke und kochte sie stundenlang mit viel Zucker, um die Bitterstoffe zu mildern. Die Marmelade fand reißenden Absatz. Wenige Jahre später stellte die Familie Keiller die Marmelade industriell her und vertrieb sie nach England, und im frühen 20. Jahrhundert kam sie auch nach Deutschland. Das Rezept der Bitter-Orangen-Marmelade brachte meine Schwester Ida Anfang der 1960er Jahre in unsere Familie. Seit dieser Zeit wird die Bitter-Orangen-Marmelade bei uns gekocht. Die Herstellung in mehreren Arbeitsgängen ist zeitaufwändig. Auf Anfrage gebe ich gerne eine detaillierte Beschreibung und auch eine Bezugsquelle auf Mallorca für die Orangen. Erika Wiener, Hannover, E-Mail: Bitte Javascript aktivieren!

Ausnahmsweise erhielt auch Pfarrerin Andrea Aippersbach, wie nach ihr alle Redner, ein Gastgeschenk mit einer selbstgemachten Orangenmarmelade von Erika Wiener, denn „Du wärst sonst sehr traurig“. Brigitte Bornemann stellte die Marmelade ausführlich als neue bessarabiendeutsche Spezialität vor (siehe Kasten auf S. xx. ).

Nun waren die Grußworte an der Reihe. Als erster betrat S.E. Aureliu Ciocoi, der Botschafter der Republik Moldau, die Bühne. Seine Worte kämen von Herzen, bekräftigte er, und lobte den Verein und seine Arbeit als „echte und lebendige Brücke zwischen Deutschland, Moldau und der Ukraine.“ Als Beispiel für das bis heute überdauernde deutsche Erbe in Moldau nannte er ein Weingut in Kornova, das von deutschen Kolonisten gegründet worden war und heute vom neuen Betreiber bewusst unter dem historischen deutschen Namen „Klink“ führt wird. Damit die Geschichte der Deutschen auch in Zukunft nicht vergessen wird, will er sich dafür einsetzen, sie in der Republik Moldau im Schulunterricht und in Museen stärker zu verankern.

Die Gefahr der Geschichte, in Vergessenheit zu geraten, sprach auch Clara Râpan an, Vizekonsulin im Generalkonsulat Rumäniens in Stuttgart. Schüleraustausch und Kulturprojekte lobte sie als wichtige Instrumente, um eine Erinnerungskultur zu verankern und die Zeit der deutschen Siedler zu bewahren, die sie als wichtigen Teil der multikulturellen Gemeinschaft in der Dobrudscha pries.

Wie ein lebendiges Engagement von deutscher Seite aussehen kann, schilderte Dr. Pascal Bader, Oberbürgermeister von Kirchheim/Teck. Bevor die Städtepartnerschaft mit Sarata zustande kam, hatte er noch keine Berührungspunkte mit Bessarabien, doch nun bezeichnete er sich als „neuen Freund Bessarabiens.“ Besonders die Menschen dort haben es ihm angetan. Neben konkreten Schilderungen der Ausgestaltung der Städtepartnerschaft zog er den Vergleich, wie die Bessarabiendeutschen einst selbst nach großen Verlusten neu anfangen mussten und heute Menschen aus der Ukraine unterstützen.

S.E. Aurelio Cioccoi, Brigitte Bornemann, Dr. Ernst Gierlich, Dr. Bernd Fabritius

S.E. Aurelio Cioccoi, Brigitte Bornemann, Dr. Ernst Gierlich, Dr. Bernd Fabritius

Unser nächster Gast hatte Grüße aus Berlin von Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt im Gepäck: Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, zeigte sich in seiner Festrede beeindruckt vom professionellen und empathischen Engagement des Vereins. Er erwähnte die Studienreisen, die Hilfsmaßnahmen, die Zusammenkünfte wie das Bundestreffen, aber auch die Aufarbeitung der Vergangenheit, bei der auch die unangenehmen Themen nicht ausgespart würden. Besonders angetan zeigte sich Bernd Fabritius von dem noch sehr jungen Konzept des Bessarabischen Salons, zum einen wegen der mutigen Fokussierung auf die bessarabische Identität, aber auch wegen des kreativen Zugangs als Schreibwerkstatt. Solche neuartigen Herangehensweisen machten auch jungen Leuten Lust, sich zu engagieren. Bei seinem Rückblick auf die bessarabien- und dobrudschadeutsche Geschichte betonte Fabritius besonders die kulturelle und religiöse Vielfalt, in der die Volksgruppen lebten. Auch er wünschte sich eine stärkere Verankerung der Vertriebenen im Unterricht und sagte Botschafter Ciocoi zu, wenn er die Bessarabien-Ausstellung nach Moldau hole, bei deren Eröffnung dabei zu sein.

Verleihung der Goldenen Ehrennadel an Renate Nannt-Golka

Verleihung der Goldenen Ehrennadel an Renate Nannt-Golka

Die Goldene Ehrennadel bekam in diesem Jahr Renate Nannt-Golka verliehen. Bundesgeschäftsführer Hartmut Knopp sprach die Laudatio, in der er ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement für den Verein würdigte, für ihre Heimatgemeinde Beresina ebenso wie als Stellvertretende Bundesvorsitzende und zuletzt als Steuerberaterin in der Modernisierung der Buchhaltung. Sie freute sich sichtlich über Nadel, Urkunde, Blumenstrauß und natürlich ein Glas Orangenmarmelade. 

Ein Blumenstrauß für Erika Wiener

Ein Blumenstrauß für Erika Wiener

Erika Wiener war die Ehre der Goldenen Nadel als höchster Auszeichnung unseres Vereins schon früher zuteil geworden, doch aufgrund ihres nicht nachlassenden Engagements an führender Stelle wurde sie nochmals auf die Bühne geholt und bekam zum Dank einen Blumenstrauß.

Um 12 Uhr wurde mit dem Gesang der Hymnen die Mittagszeit eingeläutet. Während die Ehrengäste im Thouret-Saal zum Empfang geladen waren, gingen die übrigen Gäste zum Essen und besuchten die Stände in der Wandelhalle. Liudmyla Luzanova stellte Bilder aus, die in der Kunsttherapie mit geflüchteten ukrainischen Kindern entstanden waren. Die Museen in Sarata, Arzis und Jekaterinowka hatten einen Infostand, ebenso „Ermstal hilft“ und die Georg-Goldstein-Schule. Als neuen Aussteller konnten wir die BdV-Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ gewinnen. Natürlich hingen auch wieder die Auswandererlisten aus, und unser Buchversand war vertreten. Besonders vergnüglich war die Fotobox „Aus dem Museum“ mit Olaf Schulze: die Besucher konnten sich in originalen bessarabischen Kostümen kleiden und vor einer Bildkulisse mit bessarabischer Landschaft ein Foto aufnehmen. Zum Spendensammeln gab es wieder eine Tombola mit attraktiven Gewinnen wie bessarabischen Cognac, Orangenmarmelade und Bücher.

Am Nachmittag war das Programm, wie schon aus den vergangenen Jahren bekannt, zweigleisig: Während im großen Saal Vorträge gehalten wurden, fand im Thouret-Saal eine Podiumsdiskussion statt.

Die als „Zukunftswerkstatt“ angekündigte Podiumsdiskussion stand unter der Fragestellung: „Wie erhalten wir das kulturelle Erbe der Deutschen in Südosteuropa?“ Die Leitung übernahm die Kulturreferentin für Siebenbürgen, Bessarabien, die Dobrudscha und den Karpatenraum, Dr. Heinke Fabritius. Im Podium saßen Dr. Maria Muscan vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Deutsch in der Dobrudscha an der Ovidius-Universität Konstanza, Dr. Tobias Weger vom Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der LMU München sowie Dr. Lilia Antipow vom Haus des Deutschen Ostens in München. Die Beteiligten stellten sich zunächst vor und gaben dann interessante Einblicke in ihre Arbeit, insbesondere wie sie es schaffen, junge Leute in die Wissensvermittlung einzubeziehen, um das Geschichtswissen an die nächste Generation weiterzugeben. (Unterlagen zu den Impulsvorträgen s. untern.) Etwas kurz war leider die anschließende Fragerunde mit dem Publikum.

Später im Großen Saal präsentierte Heinke Fabritius die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt. Als wichtigstes Mittel, um die junge Generation für die Geschichte des östlichen Europas zu begeistern, identifizierte sie Jugend- und Schülerreisen, wie sie der Bessarabiendeutsche Verein in Zusammenarbeit mit der Georg-Goldstein-Schule schon seit 10 Jahren gestaltet. Ein einfaches Mittel bieten heute die neuen Medien, indem nur ein Smartphone benötigt wird, um die Erzählungen der Großeltern als Zeitzeugenberichte aufzuzeichnen und zu bewahren. Sie appellierte an Geduld und Empathie im Umgang mit Jugendlichen, für die Vergangenheit sei, was uns Ältere noch als erlebte Geschichte bewegt. Junge Menschen bräuchten einen Entdeckungsraum, um sich mit Freude der Geschichte zuwenden zu können.

Das Nachmittagsprogramm im Großen Kursaal bestand aus Vorträgen zu den Themen des Tages, „Erinnern“, „Erleben“ und „Gestalten“. Olaf Schulze und Erika Wiener schauten in Form eines Interviews auf das Alexanderstift zurück, das als bessarabiendeutsches Altersheim bis 2005 zu den Vorgängerorganisationen des Bessarabiendeutschen Vereins gehörte. Martin Salzer, Schuldirektor der Georg-Goldstein-Schule, veranschaulichte mit Vortrag und Videofilm zehn Jahre Jugendaustausch mit Bessarabien und der Dobrudscha. Dr. Hartmut Knopp stellte aus dem Blickwinkel des Geschichtslehrers seine Erfahrungen mit dem Thema der deutschen Vertriebenen im Schulunterricht vor. Die Vorträge sollen im Jahrbuch 2027 erscheinen.

Damit neigte sich ein erlebnisreicher Tag dem Ende zu. Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Hartmut Knopp bei allen Beteiligten, die dieses Bundestreffen zu einem so besonderen Ereignis gemacht haben. Susanne Knopp trug ein Gedicht „Ferne Heimat“ von Gertrud Knopp-Rüb vor und sprach für uns einen Reisesegen. Dorothee und Hans-Dieter Schulz sangen ein sehr berührendes Duett „Ein schöner Tag ward uns beschert“ und leiteten uns an, gemeinsam „Kein schöner Land“ zu singen. Ab 17 Uhr machten wir uns auf den Heimweg.

Wer das nächste Treffen nicht verpassen will, kann sich den Termin schon einmal vormerken: Das 48. Bundestreffen findet statt am 28. Mai 2028.

Schön war es an diesem Sonntag im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt...

Schön war es an diesem Sonntag im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt...

... noch ein kühles Getränk in entspannter Runde im nahegelegenen Biergarten

... noch ein kühles Getränk in entspannter Runde im nahegelegenen Biergarten

Unterlagen Zukunftswerkstatt

Impulsvortrag von Maria Muscan

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Impulsvortrag Tobias Weger

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Impulsvortrag von Lilia Antipow

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