Neubeginn

Weitaus die meisten Bessarabiendeutschen finden in den westlichen Besatzungszonen ein neues Zuhause, wo sie am Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Deutschlands mitwirken. 

 Bessarabiendeutsche in den vier Besatzungszonen (Stand: 1.12.1948)
 aus Ute Schmidt, Die Deutschen aus Bessarabien

Amerikanische Zone    26.366                             davon in Württemberg:    20.116       
Britische Zone              23.989
Sowjetische Zone        13.360
Französische Zone           450

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 Mit besonderem Engagement setzte sich  Karl Rüb 
für die Zuzugsgenehmigungen für   
Bessarabiendeutsche nach Württemberg ein. Neben verschiedenen anderen Lagern konnten in Stuttgart-Zuffenhausen, im Lager Seedamm, Wohnungen für Familien mit Pferdegespannen geschaffen werden.    
                                                                            Utruemmer.jpgmsiedlungsherberge des Hilfswerks (Karl Rüb) in Stuttgart

Rüb bot dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Klett an, mit diesen Fuhrwerken bei der Trümmerbeseitigung mitzuhelfen und damit einen Beitrag zum Aufbau der Stadt Stuttgart zu leisten. Hier der historisch bedeutsame Dankesbrief von Dr. Klett an Karl Rüb:

 



Der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart                                                                Stuttgart, den 18.9.1945 

An das
Hilfswerk für ev. Umsiedler
z. Hd. von Herrn Ing. Rüb
Stuttgart
Moltkestr. 87

Sehr geehrter Herr Rüb!

Für Ihre liebenswürdigen Zeilen vom 9.9.45, und für Ihren persönlichen Besuch danke ich Ihnen.

Mit großem Interesse und großer Freude habe ich davon Kenntnis genommen, daß die nach Württemberg und Stuttgart gezogenen Schwabenumsiedler einen Beitrag am Aufbau der Stadt Stuttgart leisten wollen, obgleich sie als unschuldigerweise obdachlos und mittellos gewordene Menschen in ganz besonderer Weise unter der vergangenen Wahnsinnspolitik zu leiden hatten und noch zu leiden haben.

Es erfüllt mich mit Zuversicht, namens der von Ihnen betreuten Schwabenumsiedler die Versicherung entgegennehmen zu dürfen, daß Ihnen immer noch die schwielen Hände, der entschlossene Wille und der noch ungebrochenen Mut geblieben sind, am Aufbau der Stadt Stuttgart und ihres öffentlichen Lebens mitzuarbeiten.

Ich bitte Sie, den Schwabenumsiedlern für diese aufrichtige Bereitwilligkeit meinen besonderen Dank zum Ausdruck zu bringen und sie bitten zu wollen, mit der ihnen eigenen Energie und Tatkraft sobald als möglich die Probleme, die noch zu lösen sind, mit anzufassen und ihre Arbeitskraft und ihre Transportmittel in den Dienst des Wiederaufbaus zu stellen.

Die weiteren von Ihnen angeschnittenen Fragen haben wir ja in persönlicher Aussprache schon behandelt, und ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die städt. Dienststellen Ihnen und den Schwabenumsiedlern mit Rat und Tat gerne zur Seite gestanden sind und weiterhin zur Seite stehen werden.

 Mit verbindlichen Grüßen 
                                                                                                                              gez. Dr. Klett


 Der große Wunsch wird von vielen Familien möglichst schnell angegangen:  

 Wieder ein eigenes   Haus.                                                                                           
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 Hier die Akkerman-Siedlung                            Siedlung Plattenwald in Backnang
 in Kleinglattbach

Der Neubeginn bedeutete für die meisten Bessarabiendeutschen eine gewaltige Umstellung:  
vom Bauern zum Industriearbeiter. Das war ungeheuer schwer, gelang aber den meisten doch. Allerdings kamen die Älteren nicht über den ndustriearbeiterstatus hinaus. Dass der einst als völlig verlässliche Grundlage erscheinende Landbesitz sich nach Umsiedlung und Flucht als wenig beständig erwiesen hatte, war eine harte Lektion. Das setzte bei den Bessarabiendeutschen ein starkes Streben nach höherer Ausbildung in Gang, eine Tendenz,  die sich seither fortgesetzt und zu einer völligen Umschichtung der beruflichen 
Gliederung geführt hat.   (aus Arnulf Baumann, Die Deutschen aus Bessarabien)

 

Aus dem Grußwort von Dr. Wolfgang Schuster, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Heimatmuseum der Deutschen aus Bessarabien" am 22. November 2002 im Rathaus Stuttgart:

Vor 50 Jahren lag diese Stadt noch weitgehend in Trümmern. 80 % der Innenstadt wurden ja  
durch den 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, und es waren eben auch die 
Bessarabiendeutschen, die zu uns gekommen sind, die angepackt haben, die immer geschafft haben, und deshalb bin ich ganz, ganz dankbar Ihnen, dass Sie den Wiederaufbau mit bewerkstelligt haben, auf dem wir, die jüngere Generation, aufbauen können.

Am 22. Juli 1954 übernimmt die Landeshauptstadt Stuttgart die Patenschaft für die Bessarabiendeutschen.

patenschaftsurkunde.jpg 

 

 

 

 

Haus der
Bessarabiendeutschen
Florianstraße 17
70188 Stuttgart


Öffnungszeiten des Heimatmuseums
Montag bis Freitag
jeweils 10 - 17 Uhr,
an Wochenenden für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung.


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